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Kaufpreis je kWp: PV-Angebote richtig vergleichen

Formel, Normierung (netto, Speicher, Netzanschluss, Projektrechte), Referenzspannen aus Studien, Beispielrechnung, Einordnung in den Markt.

Stand 2026-10-13 · Wattvestor Redaktion · Fachlich geprüft: Legal Advisor, 13.10.2026, PV-Experte, 13.10.2026 · Nächste Prüfung 2027-04-13

Kaufpreis je kWp: PV-Angebote richtig vergleichen

Der Kaufpreis je kWp ist der Nettokaufpreis einer PV-Anlage geteilt durch ihre installierte Leistung. Er macht Anlagen unterschiedlicher Größe vergleichbar und ist deshalb die Leitkennzahl auf Wattvestor. Aussagekräftig wird er erst, wenn alle Angebote gleich abgegrenzt sind und Ertrag und Erlös mitbetrachtet werden.

Hinweis: Dieser Artikel ist eine allgemeine Information. Er ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung für oder gegen ein Angebot. Studienwerte beschreiben Kosten zu einem Stichtag und können vom heutigen Marktpreis abweichen. Stand: 13.10.2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Formel: Kaufpreis netto in € / installierte Leistung in kWp (Wattvestor-Kennzahl K1).
  • Vor dem Vergleich normieren: netto, Speicher getrennt, gleicher Lieferumfang (Netzanschluss, Projektrechte, Nebenkosten).
  • Fraunhofer ISE nennt für Freiflächenanlagen über 1 MWp 700 bis 900 €/kWp Investitionskosten (Stand 2024, netto). Das ZSW setzt für Parks ab 5 MW mit Inbetriebnahme 2026 540 bis 560 €/kW an.
  • Studienwerte sind Kosten ohne Marge des Initiators. Angebotspreise für Investoren liegen deshalb meist darüber.
  • Der Preis allein sagt wenig. Erst zusammen mit Ertrag, Vergütung und Betriebskosten ergibt sich, ob ein Angebot wirtschaftlich trägt.

Formel und Begriffe

Formel Kaufpreis je kWp gleich Kaufpreis netto geteilt durch installierte Leistung, mit acht Prüfpunkten vor dem Vergleich

Kaufpreis je kWp (K1) = Kaufpreis netto in € / installierte Leistung in kWp

  • kWp (Kilowatt-Peak) ist die Nennleistung der Module unter Standardtestbedingungen. Sie ist die Bezugsgröße für Preis, Ertrag und Betriebskosten.
  • Installierte Leistung ist die Summe der Modulleistungen. Im Marktstammdatenregister steht sie als Bruttoleistung der Einheit. Die Wechselrichterleistung in kW ist oft kleiner und nicht vergleichbar.
  • Kaufpreis netto ist der Preis ohne Umsatzsteuer. Gewerbliche Betreiber erhalten die Vorsteuer in der Regel zurück, deshalb vergleicht Wattvestor netto.
  • Für Speicher ohne PV rechnet Wattvestor je kWh Kapazität.

Angebote vergleichbar machen

Zwei Angebote mit gleichem Kaufpreis je kWp können sehr unterschiedliche Leistungen enthalten. Diese Punkte klären Sie vor dem Vergleich:

Prüfpunkt Warum er zählt So rechnet Wattvestor
Netto oder brutto 19 % Umsatzsteuer verzerren jeden Vergleich netto; bei Bruttoangaben wird die Umsatzsteuer herausgerechnet und das vermerkt
Leistung Exposés nennen teils kWp, teils kW AC kWp laut Modulliste, Abgleich mit dem Marktstammdatenregister
Speicher Speicherpreise beziehen sich auf kWh Kapazität Vergleichswert aus PV-Anteil und Speicher-Anteil (Abschnitt Beispielrechnung)
Netzanschluss, Trafo, Zuwegung können einen großen Teil der Kosten ausmachen, werden aber nicht immer mitverkauft Lieferumfang laut Vertrag; fehlende Positionen werden markiert
Projektrechte, Gutachten bei Projekten vor Baubeginn Teil des Preises im Preis enthalten, Hinweis auf Projektstand
Nebenkosten Notar, Grundbuch, Dienstbarkeit, Due Diligence nicht in K1; getrennt ausgewiesen, wenn bekannt
Teilanlage Anteil an Gemeinschaftstechnik (Trafo, Zaun, Monitoring) Preis der Teilanlage je kWp der Teilanlage; Gemeinschaftstechnik laut Vertrag
Vorausbezahlte Leistungen Betriebsführung oder Pacht im Voraus erhöhen den Preis im Kaufpreis, Hinweis in den Betriebskosten

Referenzwerte aus Studien

Referenzspannen in Euro je kWp: Freifläche ab 5 MW 540 bis 560, Freifläche über 1 MWp 700 bis 900, Agri-PV 900 bis 1.700, Dach über 30 kWp 900 bis 1.600, Dach bis 30 kWp 1.000 bis 2.000; Beispiele bei 920 und 1.050

Segment Investition netto Bezug Quelle
Freifläche ab 5 MW, Inbetriebnahme 2026 540 bis 560 €/kW (5 MW: 560, 10 MW: 550, 20 und 50 MW: 540) schlüsselfertig, ohne Initiatorenmarge und Vertrieb ZSW für das BMWK, Oktober 2024, Tabelle 1
PV-Freifläche über 1 MWp 700 bis 900 €/kWp Anlagen 2024 Fraunhofer ISE, Juli 2024, Tabelle 1
Agri-PV 0,5 bis 2 MWp 900 bis 1.700 €/kWp Anlagen 2024 ebenda
PV-Dach über 30 kWp 900 bis 1.600 €/kWp Anlagen 2024 ebenda
PV-Dach bis 30 kWp 1.000 bis 2.000 €/kWp Anlagen 2024 ebenda
Batteriespeicher zu PV-Freifläche (PV zu Batterie 3:2) 400 bis 600 €/kWh Anlagen 2024 ebenda
Speicher in PV-Kombination, Inbetriebnahme 2026 180 bis 250 €/kWh (5 MW: 250, 10 MW: 230, 20 MW: 210, 50 MW: 180) Setzung des ZSW für das BMWK zur Einordnung der Höchstwerte nach § 85a EEG in den Innovationsausschreibungen; Speicherkapazität im Gutachten rund 0,66 kWh je kW PV ZSW, PV-Speicher-Anlagenkombinationen, Tabelle 2

Einordnung der Werte: * Die Studien beschreiben Kosten für die Errichtung. Angebote an Investoren enthalten zusätzlich Projektentwicklung, Vertrieb, Marge und teils Finanzierungskosten. Ein Aufschlag auf die Studienwerte ist deshalb normal. Seine Höhe sollte das Angebot erklären. * Die ZSW-Werte sind Setzungen für die Berechnung von Stromgestehungskosten und gelten für Parks ab 5 MW. Für kleinere Freiflächen nennen weder ISE noch ZSW eigene Werte. * Eine unabhängige Statistik tatsächlich abgerechneter Systempreise 2025 und 2026 hat Wattvestor nicht gefunden. Sobald genug Angebote in der Datenbank sind, ersetzt der Median vergleichbarer Angebote die Studienwerte (Abschnitt „So rechnet Wattvestor“).

Beispielrechnung

Beispiel mit erfundenen Werten. Die Angebote A und B gibt es nicht. Die Zahlen dienen nur der Erklärung und sind keine Marktdaten.

Angebot A: Teilanlage einer Freiflächenanlage, 250 kWp, Kaufpreis 230.000 € netto, ohne Speicher.

  • Kaufpreis je kWp: 230.000 € / 250 kWp = 920 €/kWp
  • Gegenüber der ISE-Spanne für Freiflächen über 1 MWp (700 bis 900 €/kWp) liegt A rund 2 % über der Obergrenze, gegenüber dem ZSW-Wert für 5 MW (560 €/kW) rund 64 % darüber.

Angebot B: Freiflächenanlage, 300 kWp mit 270 kWh Speicher, Kaufpreis 315.000 € netto.

  • Kaufpreis je kWp ohne Abgrenzung: 315.000 € / 300 kWp = 1.050 €/kWp
  • Speicher je kWp: 270 kWh / 300 kWp = 0,9 kWh je kWp
  • Vergleichswert mit den oberen ZSW-Werten: 560 €/kW + 0,9 × 250 €/kWh = 785 €/kWp
  • Aufschlag gegenüber dem Vergleichswert: 1.050 / 785 = rund 34 %

Ohne Abgrenzung des Speichers wirkt B um 130 €/kWp teurer als A. Gemessen an einem Vergleichswert, der den Speicher berücksichtigt, ist der Abstand kleiner. Ob sich der Speicher lohnt, hängt an seinen Erlösen (siehe Batteriespeicher im Solarpark).

Was der Preis allein nicht zeigt

Ob ein Preis angemessen ist, entscheidet das Verhältnis zu Ertrag und Erlös. Für Angebot A mit erfundenen, aber an Quellen angelehnten Annahmen:

Größe Annahme Quelle der Annahme
Spezifischer Ertrag 1.105 kWh/kWp Fraunhofer ISE 2024, Tabelle 3, Region Mitte und Osten
Vergütung 4,79 ct/kWh mittlerer Zuschlagswert der Solar-Ausschreibung zum 01.07.2026 (BNetzA)
Betriebskosten 19,30 €/kWp im Jahr 13,30 €/kW Betriebskosten (ISE 2024, Tabelle 2) plus 3 €/kW Direktvermarktung (ZSW, Oktober 2024) plus 3 €/kWp Pacht (Annahme: rund 3.000 €/ha bei rund 1 MWp je ha, Branchenangabe ohne Primärquelle). Ob ISE die Pacht bereits enthält, ist dort nicht ausgewiesen. Zum Vergleich: Das ZSW setzt 13 €/kW plus 3 €/kW Direktvermarktung an. Siehe Betriebskosten
  • Erlös je kWp (K5): 1.105 × 0,0479 = 52,93 €/kWp im Jahr
  • Betriebsergebnis je kWp (K7): 52,93 − 19,30 = 33,63 €/kWp
  • Anfangsrendite (K8): 33,63 / 920 = 3,7 %
  • Kaufpreisfaktor (K9): 920 / 52,93 = 17,4 Jahreserlöse

Zum Vergleich: Bei 700 €/kWp und sonst gleichen Annahmen läge die Anfangsrendite bei 4,8 %. Wie die Kennzahlen zusammenhängen, erklärt Anfangsrendite, Kaufpreisfaktor und IRR. Ob die Anlage eine Finanzierung trägt, zeigt der Kapitaldienstdeckungsgrad.

Der spezifische Ertrag des Anbieters sollte zum Standort passen. Wie Sie das mit PVGIS prüfen, steht im Artikel Spezifischer Ertrag und PVGIS-Abgleich.

So rechnet Wattvestor

  • K1 ist die Leitkennzahl jedes Angebots (Methodik).
  • Vergleichsgruppe sind aktive Angebote desselben Anlagentyps. Später kommen Region, Größenklasse und Projektstand hinzu, sobald je Segment genug Angebote vorliegen.
  • Einordnung gegenüber dem Median der Vergleichsgruppe: „unter Markt“ bei mehr als 5 % darunter, „im Markt“ innerhalb von ±5 %, „über Markt“ bei mehr als 5 % darüber.
  • Dieselbe Anlage auf mehreren Plattformen wird über Leistung, Standort und Preis erkannt. Preisänderungen bleiben als Historie erhalten.

Typische Fehler

  • Bruttopreis mit Nettopreis vergleichen.
  • Speicher oder Netzanschluss im Preis übersehen.
  • Kosten aus Studien als Marktpreis lesen. Studien nennen Errichtungskosten ohne Marge.
  • Preise unterschiedlicher Projektstände vergleichen, etwa ein Projekt vor Baubeginn mit einer Bestandsanlage.
  • Nur auf den Preis schauen und Ertrag, Vergütung und Laufzeit der Förderung außer Acht lassen.

Eine vollständige Prüfliste vor dem Kauf finden Sie in der Due-Diligence-Checkliste. Unterschiede zwischen Freifläche und Dach erklärt Freifläche oder Dach.

Häufige Fragen

Wie berechne ich den Kaufpreis je kWp?

Kaufpreis netto in Euro geteilt durch die installierte Leistung in kWp. Beispiel: 230.000 € für 250 kWp ergeben 920 €/kWp.

Was kostet ein Solarpark je kWp?

Fraunhofer ISE nennt für Freiflächenanlagen über 1 MWp Investitionskosten von 700 bis 900 €/kWp (Stand 2024, netto). Das ZSW setzt für Parks ab 5 MW mit Inbetriebnahme 2026 540 bis 560 €/kW an. Angebotspreise für Investoren liegen meist darüber, weil Marge, Vertrieb und Projektrechte hinzukommen.

Rechne ich mit kWp oder mit kW Wechselrichterleistung?

Wattvestor rechnet mit der installierten Modulleistung in kWp. Prüfen Sie, welche Leistung das Angebot nennt, und gleichen Sie sie mit dem Marktstammdatenregister ab.

Wie gehe ich mit einem Batteriespeicher im Preis um?

Den Speicher getrennt in €/kWh ausweisen oder einen Vergleichswert bilden, der PV und Speicher getrennt bewertet. Sonst wirkt ein Angebot mit Speicher teurer, als die PV-Anlage ist.

Ist ein niedriger Kaufpreis je kWp immer besser?

Nein. Entscheidend ist das Verhältnis von Preis zu Ertrag und Erlös. Ein günstiger Preis bei schwachem Standort oder niedriger Vergütung kann wirtschaftlich schlechter sein als ein höherer Preis mit gesichertem Erlös.

Quellen

  1. Fraunhofer ISE, Stromgestehungskosten erneuerbare Energien, Juli 2024, Tabellen 1 bis 3: https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/DE2024_ISE_Studie_Stromgestehungskosten_Erneuerbare_Energien.pdf, abgerufen am 13.10.2026
  2. ZSW im Auftrag des BMWK, Stromgestehungskosten von PV-Freiflächenanlagen, Oktober 2024, Tabelle 1: https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Downloads/Energie/stromgestehungskosten-photovoltaikanlagen-freiflaechenanlagen.pdf?__blob=publicationFile&v=8, abgerufen am 13.10.2026
  3. ZSW, Stromgestehungskosten PV-Speicher-Anlagenkombinationen, Tabelle 2: https://www.clearingstelle-eeg-kwkg.de/sites/default/files/2025-02/stromgestehungskosten-photovoltaikanlagen-speicher-anlagenkombinationen.pdf, abgerufen am 13.10.2026
  4. Bundesnetzagentur, Pressemitteilung vom 18.08.2026, Ausschreibung Solar erstes Segment zum 01.07.2026: https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/20260818_Solar1.html, abgerufen am 13.10.2026
  5. Marktstammdatenregister: https://www.marktstammdatenregister.de/MaStR, abgerufen am 13.10.2026

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Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.