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Tracker oder feste Aufständerung: Ertrag, Marktwert, Risiken
Süd, Ost-West und einachsiger Tracker im Vergleich: Ertrag je kWp, Marktwert, Anteil in negativen Stunden und was die Bauform für die Prüfung bedeutet.
Stand 2026-10-13 · Wattvestor Redaktion · Fachlich geprüft: Legal Advisor, 13.10.2026, PV-Experte, 13.10.2026 · Nächste Prüfung 2027-04-13
Tracker oder feste Aufständerung: Ertrag, Marktwert, Risiken
Die meisten Solarparks in Deutschland stehen auf festen Gestellen mit Südausrichtung. Daneben gibt es Ost-West-Anlagen mit flacher Neigung und Tracker, die die Module im Tagesverlauf der Sonne nachführen. Die Bauform bestimmt den Ertrag je kWp, die Tageskurve und damit den Marktwert. Für Investoren ist wichtig, ob die im Angebot genannte Bauform zu Ertrag und Kosten passt.
Hinweis: Dieser Artikel ist eine allgemeine Information zum Stand 13.10.2026. Er ist keine Anlageberatung. Die Zahlen stammen aus einer eigenen Auswertung für einen Standort und ein Jahr. Sie ersetzen kein Ertragsgutachten.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein einachsiger Tracker lieferte in unserer Auswertung für Leipzig 2023 rund 17 % mehr Strom je kWp als eine feste Südanlage.
- Sein mengengewichteter Day-Ahead-Erlös lag 2023 rund 10 % höher, weil er morgens und abends mehr erzeugt.
- Ost-West erzeugt je kWp rund 16 % weniger als Süd, braucht aber weniger Fläche. Der Marktwert war 2023 fast gleich.
- Tracker haben bewegliche Teile. Verfügbarkeit, Wartung und Versicherung müssen gesondert geprüft werden.
- Öffentliche Statistiken zu den Mehrkosten von Trackern in Deutschland haben wir nicht gefunden.
Die drei Bauformen
| Bauform | Merkmal | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Fest, Süd | Neigung meist 20 bis 40° | einfach, wenig Wartung | hohe Mittagsspitze, Reihenabstand wegen Verschattung |
| Fest, Ost-West | flache Neigung, oft 10 bis 15°, Module Rücken an Rücken | viel Leistung je Hektar, gleichmäßigere Kurve | weniger Ertrag je kWp |
| Einachsiger Tracker | Module drehen sich um eine Nord-Süd-Achse von Ost nach West | mehr Ertrag, breitere Tageskurve | Antriebe und Steuerung, mehr Wartung |
Bifaziale Module nutzen auch das Licht, das vom Boden auf die Rückseite fällt. Der Gewinn hängt vom Untergrund und der Gestellhöhe ab. Ost-West- und Trackeranlagen werden häufig mit bifazialen Modulen gebaut.
Eigene Auswertung: Leipzig 2023
Methode: Stündliche Erzeugung aus PVGIS 5.3 (Strahlungsdaten SARAH3, Jahr 2023, Standort Leipzig, 1 kWp, 14 % Systemverluste, ohne Rückseitengewinn). Jede Stunde wurde mit dem Day-Ahead-Preis DE-LU derselben Stunde aus Energy-Charts gewichtet. Ost-West ist als Mittel aus je einer Hälfte Ost und West mit 15° gerechnet. Der Tracker ist ein einachsiger Tracker mit horizontaler Nord-Süd-Achse, in PVGIS ohne Winkelbegrenzung.
| Kennzahl 2023 | Süd 37° | Ost-West 15° | Tracker |
|---|---|---|---|
| Ertrag | 1.030,8 kWh/kWp | 869,5 kWh/kWp | 1.211,0 kWh/kWp |
| Ertrag gegenüber Süd | 100 % | 84 % | 117 % |
| Mengengewichteter Day-Ahead-Erlös | 72,38 €/MWh | 72,03 €/MWh | 79,41 €/MWh |
| Wertfaktor (zum Baseload 95,18 €/MWh) | 0,761 | 0,757 | 0,834 |
| Anteil der Erzeugung in Stunden mit negativem Preis | 8,43 % | 8,55 % | 6,91 % |
| Markterlös je kWp | 74,61 € | 62,63 € | 96,17 € |
Die Auswertung arbeitet mit Stundenwerten. 2023 gab es in dieser Preisreihe 301 Stunden mit negativem Preis. Seit 01.10.2025 wird der Day-Ahead-Markt in Viertelstunden gehandelt. Für eine aktuelle Auswertung wären Viertelstundenwerte zu verwenden.
Zwei Punkte sind bemerkenswert. Ost-West hatte 2023 keinen höheren Marktwert als Süd, obwohl die Kurve breiter ist. Die Ost- und Westhälften erzeugen weiterhin stark in den Mittagsstunden. Der Tracker erzeugte einen kleineren Anteil seines Stroms in negativen Stunden. Für Anlagen mit Marktprämie zählt das, weil die Prämie in diesen Zeiten entfällt (§ 51 EEG, siehe Negative Strompreise).
Was PVGIS nicht abbildet
| Effekt | Wirkung auf den Tracker | Prüfung im Ertragsgutachten |
|---|---|---|
| Winkelbegrenzung (zum Beispiel ±40° oder ±60°) | weniger Ertrag morgens und abends | Drehbereich laut Datenblatt |
| Rückwärtsnachführung (Backtracking) gegen gegenseitige Verschattung | weniger Ertrag bei tiefem Sonnenstand | Reihenabstand, Bodenbedeckungsgrad |
| Bifaziale Rückseite | mehr Ertrag | Albedo des Untergrunds, Gestellhöhe |
| Ausfall von Antrieben | weniger Ertrag | angesetzte Nichtverfügbarkeit |
| Windstellung bei Sturm | weniger Ertrag | Häufigkeit am Standort |
Achten Sie darauf, dass Ertragsgutachten, Datenblatt des Gestells und Baugenehmigung zur gleichen Konfiguration gehören. Abweichungen bei Drehbereich, Achshöhe oder Reihenabstand verändern den Ertrag.
Tracker und Agri-PV
Tracker werden häufig auf Agrarflächen eingesetzt, weil sie Bewirtschaftung zwischen den Reihen zulassen. Den Aufschlag von 0,5 ct/kWh für hoch aufgeständerte Agri-PV gibt es nur ab 2,10 Metern lichter Höhe (§ 38b Abs. 1 Satz 2 EEG in der am 15.05.2024 geltenden Fassung, die nach § 101 Abs. 1 Satz 2 EEG bis zur beihilferechtlichen Genehmigung weiter gilt, für bezuschlagte Anlagen). Ob ein Tracker diese Höhe erfüllt, wenn er sie nur in Waagerechtstellung erreicht, ist nach der Clearingstelle EEG|KWKG ungeklärt (Häufige Rechtsfrage 229). Mehr dazu im Artikel Agri-PV.
Beispielrechnung
Beispiel mit angenommenen Werten. Ertrag und Marktwert stammen aus der Auswertung 2023 oben. Der Zuschlagswert ist gesetzt. Mehrkosten und Mehrbetriebskosten des Trackers sind offen gelassen. Die Rechnung zeigt nur, wie viel Mehrinvestition der Mehrerlös trägt. Keine Aussage über eine konkrete Anlage.
| Fall | Süd | Tracker | Mehrerlös je kWp und Jahr |
|---|---|---|---|
| Nur Markterlös, Preisniveau 2023 | 74,61 € | 96,17 € | 21,56 € |
| Fester Erlös 4,79 ct/kWh für die gesamte Menge (vereinfachte Untergrenze ohne Profilvorteil) | 49,38 € | 58,01 € | 8,63 € |
Abgezinst mit 5 % über 20 Jahre (Rentenbarwertfaktor 12,46) entspricht der Mehrerlös:
- beim Markterlös 2023: rund 269 € je kWp,
- beim festen Erlös von 4,79 ct: rund 108 € je kWp (vereinfachte Untergrenze).
Was das heißt: Der Mehrpreis eines Trackers je kWp abzüglich höherer Betriebskosten muss unter diesen Barwerten liegen, damit sich die Nachführung rechnet. Mit Marktprämie erhält die Anlage den eigenen Markterlös plus die Prämie aus anzulegendem Wert minus Jahresmarktwert Solar (bei Anlagen mit Inbetriebnahme oder Zuschlag vor 2023 Monatsmarktwert, außer wenn der Anspruch nach der Abgrenzungs- oder Pauschaloption nach § 19 Abs. 3b oder 3c EEG geltend gemacht wird; Anlage 1 Nr. 2 EEG). Der Marktwert ist der Durchschnitt aller Solaranlagen. Ein Markterlös über diesem Durchschnitt bleibt der Anlage deshalb auch mit Prämie erhalten. Dazu kommt der Mehrertrag, für den ebenfalls Markterlös und Prämie anfallen. Außerdem fällt beim Tracker ein kleinerer Teil der Erzeugung in Zeiten, in denen die Prämie nach § 51 EEG entfällt.
So rechnet Wattvestor
Die Methodik vergleicht den Ertrag laut Anbieter (K2) mit dem Referenzertrag aus PVGIS für die dokumentierte Bauform (K3). Ist die Bauform nicht dokumentiert, wird nicht mit Trackerwerten gerechnet. Einen Marktwertaufschlag für Tracker setzt die Methodik nur mit Beleg an.
Für Ihre eigene Prüfung: Lassen Sie sich Datenblatt des Gestells, Drehbereich, Achshöhe, angesetzte Nichtverfügbarkeit und den Wartungsvertrag für die Antriebe zeigen. Siehe auch Versicherung und Betriebsführung.
Häufige Fragen
Wie viel mehr Ertrag bringt ein Tracker?
In unserer Auswertung mit PVGIS für Leipzig im Jahr 2023 lieferte ein einachsiger Tracker mit Nord-Süd-Achse 1.211 kWh/kWp. Eine feste Südanlage mit 37° kam auf 1.031 kWh/kWp, also 17 % weniger. PVGIS rechnet ohne Winkelbegrenzung und ohne Rückseite bifazialer Module. Ein Ertragsgutachten für den Standort ersetzt diese Werte nicht.
Warum hat eine Trackeranlage einen höheren Marktwert?
Sie erzeugt morgens und abends mehr Strom, wenn die Preise meist höher sind, und mittags anteilig weniger. 2023 lag ihr mengengewichteter Day-Ahead-Erlös in unserer Auswertung bei 79,41 €/MWh, bei Süd bei 72,38 €/MWh.
Lohnt sich Ost-West auf der Freifläche?
Ost-West liefert je kWp weniger Ertrag, in unserer Auswertung 869,5 kWh/kWp, braucht aber weniger Fläche je kWp. Der Marktwert lag 2023 kaum anders als bei Süd. Der Vorteil liegt in der Flächennutzung, wenn Pacht oder Netzanschluss knapp sind.
Bekommt eine Agri-PV-Anlage mit Tracker den Aufschlag?
Das ist offen. Die Clearingstelle EEG|KWKG führt die Frage, ob eine nur zeitweise erreichte lichte Höhe von 2,10 Metern genügt, als ungeklärt (Häufige Rechtsfrage 229). Ein Angebot sollte den Aufschlag deshalb nicht als sicher einrechnen.
Was kostet ein Tracker mehr?
Eine belastbare öffentliche Statistik zu den Mehrkosten von Trackern in Deutschland haben wir nicht gefunden. Im Angebot sollten Investition und Betriebskosten für das Gestell getrennt ausgewiesen sein.
Quellen
- PVGIS 5.3, API-Dokumentation: https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/getting-started-pvgis/api-non-interactive-service_en, abgerufen am 13.10.2026
- PVGIS seriescalc, Leipzig, 2023, Süd 37°: https://re.jrc.ec.europa.eu/api/v5_3/seriescalc?lat=51.34&lon=12.375&peakpower=1&loss=14&angle=37&aspect=0&pvcalculation=1&startyear=2023&endyear=2023&raddatabase=PVGIS-SARAH3&outputformat=json, abgerufen am 13.10.2026; Ost (aspect=-90, angle=15), West (aspect=90, angle=15) und Tracker (trackingtype=1) analog
- Energy-Charts, Day-Ahead-Preise DE-LU 2023: https://api.energy-charts.info/price?bzn=DE-LU&start=2023-01-01&end=2023-12-31, abgerufen am 13.10.2026; Auswertung eigene Rechnung
- Clearingstelle EEG|KWKG, Häufige Rechtsfrage 229: https://www.clearingstelle-eeg-kwkg.de/haeufige-rechtsfrage/229, abgerufen am 13.10.2026
- § 51 EEG 2023: https://www.gesetze-im-internet.de/eeg_2014/__51.html, abgerufen am 13.10.2026
- Anlage 1 EEG 2023, Höhe der Marktprämie: https://www.gesetze-im-internet.de/eeg_2014/anlage_1.html, abgerufen am 13.10.2026
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Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.